Schüchternheit – weit verbreitet mit vielen Facetten

Schüchternheit bringt Menschen in die ständigen Sorge, von ihrem Umfeld schlecht bewertet und abgelehnt zu werden, sich zu blamieren oder sich unbeliebt zu machen. Dadurch versuchen sie, möglichst wenig aufzufallen und sind ausgesprochen scheu und zurückhaltend.

Für Schüchterne ist es deshalb überhaupt nicht selbstverständlich Kontakte zu knüpfen, obwohl sie sich den Austausch wünschen. Wo es für andere selbstverständlich ist um Unterstützung zu bitten oder die eigenen Wünsche zu äußern, vermeiden Schüchterne dies. Gehaltsverhandlungen, Präsentationen und gesellschaftliche Anlässe sind für viele eine große Herausforderung.

Schüchternheit ist anders als die Introversion keine von Geburt an veranlagte Persönlichkeitseigenschaft, sondern sie setzt ein Bewusstsein des eigenen Selbst voraus, welches sich erst mit etwa 18 Monaten entwickelt. Frühestens ab diesem Zeitpunkt können Menschen schüchtern werden, z.B. resultierend aus Ablehnung und negativen Erfahrungen.

Es gilt als wenig wahrscheinlich, dass Menschen ihre Schüchternheit vollständig ablegen können. Daraus ergibt sich auch die Vorgehensweise in meiner Beratung und meinen Trainings:

Ich arbeite mit Ihnen daran, Schüchternheit als Teil Ihrer Person zu akzeptieren und Strategien zu finden, Ihre Wünsche und Ziele auch schüchtern zu verwirklichen. Mit positiveren Erfahrungen und Denkmustern werden die Hemmungen und Ängste in der Regel von ganz allein weniger.

Schüchternheit betrifft Frauen und Männer gleichermaßen. Dabei leiden Männer manchmal stärker darunter, da traditionelle Rollenerwartungen von ihnen Initiative, Leistungsstärke und Kontrolle über die eigenen Emotionen erwarten. In Folge dessen sprechen Männer auch weniger häufig über ihre Hemmungen und suchen sich seltener Hilfe.

Schüchternheit kommt nicht nur bei Introvertierten vor, sondern auch bei Extravertierten. Während Introvertierte ein geringeres Geselligkeitsbedürfnis haben als Extravertierte, gibt es diesen Zusammenhang bei der Schüchternheit nicht. Schüchterne leben dieses Bedürfnis aufgrund ihrer Hemmungen nur nicht unbedingt aus.

Amerikanische Studien zeigen, das sich etwa 40% der dortigen Bevölkerung selber Schüchternheit zuschreibt.

In meiner Einzelberatung versuche ich mit Ihnen erst einmal herauszufinden, wie sich Ihre Schüchternheit überhaupt genau äußert. Denn je nach Ausprägung können sich erfolgreiche Strategien im Umgang mit Ihrer Schüchternheit sehr unterscheiden!

Schüchternheit werden drei verschiedene Komponenten zugeschrieben, die natürlich auch kombiniert auftreten können:

Affekt Gedanken Gefühle
Angstgefühle Übertriebene Selbstaufmerksamkeit (z.B. "alle starren mich an") Verhaltenshemmung (z.B. keine Worte finden, niemanden ansprechen
Muskelanspannung Übertriebene negative Selbstbewertung (z.B. "Das war einfach saublöd, was ich da gesagt habe") Soziales Vermeiden (z.B. Augenkontakt vermeiden, sich in einer Ecke verkriechen)
Schneller Herzschlag Irrationale Glaubenssätze (z.B. "niemand mag mich")
Nervöser Magen
Andere psychophysische Reaktionen
Es gibt eine völlig normale Unsicherheit, z.B. das Lampenfieber vor einer wichtigen Präsentation oder die Nervosität beim ersten Date. Dies ist noch keine Schüchternheit. Schüchtern ist man erst dann, wenn die Hemmungen und Reaktionen über besondere Situationen hinausgehen, z.B. wenn Sie sich allgemein bei gesellschaftlichen Anlässen oder in Gesprächen zunächst unwohl fühlen und lange brauchen, um in Ihre Komfortzone zu kommen.

Hört das Unwohlsein in solchen Situationen gar nicht auf und fangen Sie an soziale Anlässe zu vermeiden, geht die Schüchternheit in eine soziale Ängstlichkeit über.

Wenn Sie Ihre Sorge vor Ablehnung und sozialem Kontakt sogar in Ihrem Alltag einschränkt, könnten Sie an einer sozialen Phobie leiden. Phobien sollten bei Ihnen vor Ort von qualifizierten Psychotherapeuten diagnostiziert und behandelt werden und sind nicht Themenfeld meiner Beratung.



Keine Lust auf so viel Text? Dann hören Sie sich die Zusammenfassung im Video an:

Quellen: Petra Wüst, Schüchtern war gestern, 2016; Website des Shyness Research Instituts https://www.ius.edu/shyness/index.php