Introversion – eine Persönlichkeitseigenschaft mit vielen Stärken

Introversion ist zunächst einmal eine Persönlichkeitseigenschaft mit der wir geboren werden. Dabei gibt es nicht DIE introvertierte Persönlichkeit, sondern Introversion wird als ein Pol eines Kontinuums verstanden. Der Gegenpol wird als Extraversion (oder auch Extroversion) bezeichnet. Jeder von uns vereint also Eigenschaften von beiden Seiten, die einen mehr, die anderen weniger. Auch für Personen in der Mitte des Kontinuums gibt es einen Begriff: Die Zentrovertierten oder auch Ambivertierten. Erfahren Sie hier mehr:

Typische Eigenschaften der Introversion

Introvertiert Zentrovertiert Extravertiert

Tankt Kraft in der Ruhe und im Alleinsein Tankt Kraft in der Geselligkeit und in Aktivitäten
Bevorzugt Gespräche mit Tiefgang, hört gern zu, schreibt gern und denkt bevor er spricht Lernt schnell neue Leute kennen, redet gern, spricht und handelt gern spontan ohne nachzudenken
Hat eher wenige Freunde und braucht Zeit zum „Warmwerden“ mit anderen Braucht viel Stimulation von Außen und erscheint sehr aktiv
Denkt gern nach und reflektiert, kann beharrlich und konzentriert arbeiten Mag Abwechslung, langweilt sich schnell und lässt sich ablenken
Schätzt persönlichen Raum und braucht nach geselligen Aktivitäten Abstand und Zeit zum Ausruhen Braucht wenig persönlichen Raum und fühlt sich auch in großen Gruppen und „auf der Bühne“ wohl
Ist eher ruhig, spricht manchmal leise, wirkt teils distanziert und arrogant Wirkt offensiv und nachdrücklich, teils auch oberflächlich und ungeduldig
Trägt seine Gefühle wenig nach außen, spricht im kleinen Kreis aber gern und ausführlich über für ihn wichtige Dinge Geht offen mit den eigenen Gedanken und Gefühlen um und findet Small Talk anregend
Legt Wert auf Details, gründliche Informationen, bedachte Entscheidungen und scheut Konflikte Schätzt einfache Informationen, schnelle Entscheidungen und geht Risiken und Konflikte ein

Ursachen und Entwicklung der Introversion

Tatsächlich findet man zwischen extravertierten und introvertierten Menschen physiologische Unterschiede im Gehirn, die sich schon bei Neugeborenen nachweisen lassen.

Selbstverständlich sind wir nicht mit unserer Geburt „fertig“ und verändern uns nie wieder. Unsere Kultur, unsere Lebenserfahrungen, unsere aktuelle Situation und auch unsere bewussten Entscheidungen beeinflussen, wer wir in diesem Moment sind. Unser Punkt auf dem Kontinuum von Introversion und Extraversion kann sich so ein wenig hin- und herschieben. Grundsätzlich gibt es aber nur ein gewisses Spektrum in dem wir uns wohlfühlen. Dies sollten wir nicht versuchen durch Schauspielerei und Überwindung zu häufig zu verlassen. Daraus ergibt sich für mich ein wichtiger Grundsatz meiner Arbeit:

Wir können unsere biologischen Grundlagen nicht ändern. Ein dauerhaftes Leben abseits der eigenen Natur macht unzufrieden und ist ausgesprochen ungesund. Deshalb arbeite ich mit Ihnen daran, sich Ihrer Natur bewusst zu sein und erfolgreich danach zu leben.

Leben als Introvertierter in einer extravertierten Gesellschaft

Seien wir ehrlich. In unserer extravertierten Gesellschaft und Arbeitswelt scheinen die introvertierten Eigenschaften manchmal weniger gefragt zu sein, als die offene, kommunikative und umsetzungsstarke Art der Extravertierten. Dies beginnt spätestens in der Schule, wo das System mit seinen Gruppenarbeiten, großen Klassen und offenen Lernsituationen vor allem zu extravertierten Kindern passt.

Großraumbüros, ständige Erreichbarkeit, Networking und rasante Veränderung, sind für Introvertierte dann in der Arbeitswelt ebenfalls keine guten Rahmenbedingungen.

Auch im Privatleben ist die extravertierte Gesellschaft zu spüren. Sie gehen nicht andauernd aus? Sie haben nebenbei nicht noch ein Ehrenamt, üben einen Teamsport aus und reisen um die Welt? Wie langweilig. So hat man als Introvertierter zumindest manchmal das Gefühl. Bei den heutigen Anforderungen an Mobilität und damit verbundene Wohnortwechsel, sind auch Introvertierte schneller von Einsamkeitsgefühlen betroffen. Denn der Aufbau von Freundschaften und das Kennenlernen neuer Menschen braucht für Introvertierte Zeit.

Dennoch ist die Introversion nicht schlechter. Beide Pole haben ihre Stärken und Hürden und beide Pole sind wichtig. Der introvertierte Pol ist eben nur leiser. Doch seine Stärken werden gebraucht.

Zeit also, für die Bedürfnisse der Introvertierten einzustehen.